Springe zum Hauptbereich
Alle Landesmuseen in Schleswig-HolsteinAlle Landesmuseen in SH
  • Heutig Gotland-Ponys in Schweden

Pferde - ein unverzichtbares Transportmittel

Reise in den Norden

Jahrtausende lang waren Wildpferde eine wichtige Nahrungsquelle für den Menschen. Die gemeinsame Geschichte von Menschen und (Haus-)Pferden beginnt jedoch erst am Übergang zwischen Jungsteinzeit und früher Bronzezeit im 4. Jt. v. Chr. in den Steppengebieten Mittel- und Westasiens. Anfangs wurden Pferde nur als Zugtiere für Schlitten, Karren oder sogenannte ‚Stangenschleifen‘ eingesetzt. Erst ab dem 3. Jt. v. Chr. begannen die Menschen, Pferde als Reittiere zu nutzen. Die Domestikation des Pferdes ist eine der wichtigsten technischen Revolutionen der Menschheitsgeschichte: Pferde als Reit- und Zugtiere ermöglichten eine zuvor unbekannte Mobilität und die Nutzung von Reiterei und Streitwagen revolutionierte die Kriegsführung.

In Nordeuropa lassen sich Hauspferde erst ab dem frühen 2. Jt. v. Chr. nachweisen, z. B. durch Felsbilder von Reitern. Aus der Wikingerzeit ist eine große Menge von Pferdeskeletten bekannt. Dabei handelt es sich fast durchgängig um kleingewachsene Ponys mit einem Stockmaß von 120–140 cm, die den heute noch üblichen Gotland-Ponys und den davon abstammenden Islandpferden ähneln.

Pferde in Alltag und Mythologie der Wikingerzeit

In der skandinavischen Wikingerzeit waren Pferde im Alltag vor allem ein unverzichtbares Transportmittel abseits der Küsten und Flüsse. Daneben waren sie auch ein bedeutendes Statussymbol. Der berittene Krieger war das höchste männliche Ideal. Der hohe soziale Status des berittenen Kriegers lässt sich noch im Mittelalter an der Bezeichnung ‚Ritter‘ fassen (abgeleitet von ‚reiten ‘). Interessanterweise wurden Pferde in der Wikingerzeit im Krieg aber nur als Transportmittel genutzt. Es gab keine Kavallerie, wie sie bspw. zeitgleich bei den Ottonen üblich war.

In den Überlieferungen der altnordischen Mythologie werden viele Pferde als Reittiere der Götter erwähnt, das bekannteste ist sicherlich Odins achtbeiniger Hengst Sleipnir. Archäologisch lässt sich die besondere Bedeutung des Pferdes für Kult- und Glaubensvorstellungen an der hohen Anzahl von Pferden in Gräbern nachweisen. Teilweise sollten sie sicherlich als wertvolle Grabbeigaben den hohen sozialen Status des Bestatteten aufzeigen. Möglicherweise stellte man sich aber auch vor, dass man Pferde als Transportmittel für die Reise ins Jenseits brauchte.

Pferde in Haithabu

Bei den Ausgrabungen in Haithabu wurden nur wenig Pferdeknochen gefunden. Bei den etwa 80 nachweisbaren Tieren handelte es sich zumeist um ältere Tiere. Dies deutet zusammen mit den Funden von Reitzubehör wie Trensen, Steigbügeln und Sporen darauf hin, dass Pferde in Haithabu in erster Linie als Transportmittel verwendet wurden. Dies ist nicht überraschend; in einem frühstädtischen Handelszentrum bestand kaum Bedarf, Pferde für landwirtschaftliche Arbeiten zu nutzen.

Der bedeutsamste Fund von Pferden in Haithabu ist aber sicherlich das berühmte Bootkammergrab südlich des Halbkreiswalles. In der ersten Hälfte des 9. Jh. n. Chr. wurde darin ein lokaler Herrscher mit zwei Gefolgsleuten in einer Grabkammer unter einem Schiff beigesetzt. Die Toten waren mit Pferdegeschirr, Steigbügeln und Sporen ausgestattet und in einer separaten Grube waren drei Pferde niedergelegt worden, vermutlich die Reittiere der drei Toten.

Galerie
Landesmuseen Schleswig-Holstein
schliessen
Nach oben scrollen